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SERaT: System zur Erfassung von Ritualszenen in altägyptischen Tempeln

"Altägyptische Tempel sind über und über mit Inschriften und Darstellungen bedeckt, die sich auf die Kulte im Inneren des Tempels beziehen und deshalb eine unschätzbare Quelle für die religiösen Vorstellungen in Ägypten bedeuten. Die Hauptmenge dieser Ritualszenen stammt von den gut erhaltenen Tempeln aus der Zeit der griechisch-römischen Herrschaft in Ägypten (etwa 330 v. Chr. bis 250 n. Chr.). Unter Ritualszenen versteht man großflächige Darstellungen, die den ägyptischen König bei Opferhandlungen oder Ritualen vor ägyptischen Göttern zeigen. Das Schema des Opfers ist dabei etwa so, dass der König - evtl. begleitet oder vertreten durch die Königin oder Götter - als der einzig zum Kultvollzug Berechtigte den vor ihm stehenden oder sitzenden Göttern z.B. Wein, Schmuck oder Schlachtopfer darbringt. Als Gegengabe gewähren ihm die Götter Wohltaten, die dem ganzen Land zugute kommen z.B. Zufriedenheit in der Bevölkerung, ausreichende Nilüberschwemmung u.a.m. Bei diesem Austausch von Gabe und höherwertiger Gegengabe wird ein kompliziertes System von bildlichen und textlichen Assoziationen benutzt, um die Legitimität der Adressaten und der Adressanten von Opfern zu gewährleisten und die Handlung im mythologischen Kontext zu verankern. Wenn man davon ausgeht, dass allein die Übersetzung einer Ritualszene mindestens eine halbe Schreibmaschinenseite ausmacht, kann man sich vorstellen, dass bei einer Erfassung der ca. 10.000 Ritualszenen nur der griechisch-römischen Zeit die EDV als Hilfsmittel unabdingbar ist. Zu diesem Zweck wurde am ägyptologischen Institut der Universität Würzburg das Programm SERaT entwickelt, das System zur Erfassung von Ritualszenen in altägyptischen Tempeln. Es besteht aus einer auf TUSTEP basierenden Datenbank mit allen erforderlichen Informationen sowie einer Reihe von Zusatzprogrammen zur Weiterverarbeitung und Auswertung der Datenbank-Daten. In der Datenbank sind nach einem festgelegten Schema alle Ritualszenen der Tempel der griechisch-römischen Zeit erfasst, zur Zeit etwa 10.000 Szenen aus ca. 130 selbständigen Tempeln. In diesem Schema wird festgehalten, wo die Szene ist, in welchem Zusammenhang sie steht, welche Personen (Götter, König) darin vorkommen, was in der Szene passiert, wie sie datiert ist und schließlich noch Angaben über Publikationen usw..."From http://www.zdv.uni-tuebingen.de/tustep/prot/prot832-serat.html

Author(s):  Beinlich, Horst; Hallof, Jochen; Hussy, Holger; Pfiel, Christiane von; Schips, Stefanie
Format:  Website
Subject(s):